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Feldnotizen aus der Schlacht von Kuta Beach

Feldnotizen aus der Schlacht von Kuta Beach

Aussie-Touristen rasen in einem letzten Blitz hervor, um ihre balinesische Festung zu erobern. Lokale Kräfte inszenieren einen nächtlichen Guerilla-Widerstand gegen Alkohol und Prostitution. Die Frontlinien eines Schlachtfeldes sind verschwendet.

Zwei Uhr morgens Bloody Bintang Singulett auf dem Bürgersteig. Die Invasion geht weiter. Wild. Gottlos. Der volle Frontalangriff der westlichen Konvention. Ich schließe die Augen und zeige auf die Kamera.

Auf Straßenebene scheinen sich die indigenen Völker kaum zu widersetzen. Gemäht von der groben Kühnheit ihrer ausländischen Angreifer. Aber tief in den Katakombengassen und Hinterzimmern mit klebrigem Boden fordern ihre Guerilla-Taktiken einen grausamen Tribut. Das balinesische Volk hat im letzten Jahrhundert Dutzende von Invasionen abgewehrt. Die Schlacht von Kuta Beach ist nur ein weiterer Stich in den blutgetränkten Stoff ihres anhaltenden Widerstands.

Dies ist meine erste Erfahrung an vorderster Front. Ich war nicht auf das vorbereitet, was ich hier konfrontieren würde. Junge Männer verschütten ihre Eingeweide auf dem Bürgersteig. Gehirnmaterie schoss über die Wände des Badezimmers. Das Karaoke schreit. Das Bubble-Party-Germizid. Der Horror. Du musst dich damit anfreunden, auch wenn es dir eine raue Schulter gibt, die über die Treppe geht. Es sind nur Steroide, mein Freund. Lächle, bevor ein Kampf ausbricht.

Ich war in dem ruhigen Perimeterdorf Canggu stationiert, wo die Kämpfe auf einen kleinen russischen Einfall beschränkt sind, der kaum in der Lage ist, die Tugu-Linie zu durchbrechen. Kooks. Hipster. Amateure. Ich hatte zuvor Visa für den Besuch der besetzten Bezirke Bukit und Ubud erteilt, aber die feindlichen Straßen von Kuta lagen über meiner Gehaltsstufe. Zu heiß. Zu gefährlich. Zu verschwendet.

Die Versuchung war zu groß.

Das Überqueren der Verkehrssperren ist nur eine Frage der Geduld. Als mein Taxi im Umkreis verirrt war, ging ich zu Fuß weiter. Leise an den Hand-Job-Scharfschützen und DVD-Boner-Patrouillen vorbei marschieren, bis der widersprüchliche Techno-Knall der Bombenmusik ohrenbetäubend wurde. Körper lagen auf den Straßen, uniformiert in ihren weißen Unterhemden und geflochtenen Haaren. Die Invasion der „Schulkinder“ war in vollem Gange, und neu graduierte australische Straftäter waren wütend auf die lokale Bevölkerung. Ephedrin. Psilocybin. Testosteron. Wie eine Heuschreckenplage. Holocaust ihrer eigenen trostlosen Zukunft.

Zurück hinter dem Karaoke, als ich an Bord des sinkenden Zerstörers namens "The Bounty" Streichhölzer schrie, stieß ich auf eine Gruppe roider Kumpels, die auf dem Boden einer keimtötenden Bubble-Party festgenagelt waren. Sie waren hart getroffen worden, als sie Arak-Angriffe abgefeuert hatten, und wand sich im Schaum wie ausgeweidete Schweine, umklammerten ihre erwachsenen Trinkbecher in Hysterie und Delirium. Ohne dass eine einzige Frau in Sicht war, um sie zu retten, hatten sie nur ihre verschwitzten Kumpels, an denen sie sich festhalten konnten. Ihre Wahnvorstellungen der Männlichkeit. Nicht, dass daran etwas falsch ist, aber heute Abend konnte ich kaum zuschauen.

Solche Tricks sind typisch für den Widerstand, bei dem eifrige Eindringlinge mit Käfigfutter über die Schwelle gelockt werden und dann mit Dschungelsaft in Napalm-Qualität auf sie fallen, bis sie vom Labyrinth pulsierenden Lichts und betäubenden Geräusches verschluckt werden. Der Angriff ist brutal. Schwarzlicht-Getränkespezialitäten. Laserstrahlen, sexy Tänzer. Sie werden auseinandergerissen und wissen es nicht einmal.

Für einen Moment ignoriere ich meine journalistische Objektivität und winke sie zum Ausgang. Die gefangenen Aufständischen winken nur vor kranker Freude zurück. Nickend im Takt von "Gangnam Style". Verlorene Seelen. Eingehüllt in giftige Blasen. Sie werden in diesen Unterhemden begraben.

Von zu vielen solch tragischen Szenen emotional niedergeschlagen, ziehe ich mich in ein Basislager in einem Strandhotel zurück. Kausalitäten häufen sich im grausamen Morgenlicht. Neben dem Pool stöhnt eine provisorische Triage mit lauwarmen Bintangs und eintägigen Nudeln für die Verwundeten. Lokale Begleiter machen zeremonielle Opfergaben im rosa Morgenlicht, aber die Götter kichern auf Pilzen.

Keine Erlösung dort. Die Anwesenden gießen Gallonen auf Gallonen sengendes Chlor in den Grauwasserpool, und die blutverbrannten Gäste zucken kaum zusammen. Geister. Zombies. Verluste. Ich sehe eine Schnecke am Rand eines Rasiermessers entlang kriechen. Das ist mein Traum. Das ist mein Albtraum.

Außerhalb des Hotelgeländes tobt die Schlacht von Kuta Beach weiter.

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